Von Asturianos nach Requejo
Wetter: Morgens klar und sonnig, dann Schleierwolken, und schliesslich wieder wolkenloser Sonnenschein. Die Temperaturen blieben den ganzen Tag frühlingshaft niedrig.
Obwohl es direkt neben der Herberge von Asturianos eine Café-Bar gibt, bleibt die morgens geschlossen. Und auch die Café-Bar im Dorfzentrum öffnet morgens nicht. Und so haben Mikel und ich die heutige Etappe ohne Frühstück gestartet. Knapp eine Stunde sind wir mit schnellen Schritten gelaufen, bis wir in einem Restaurant an einer Kreuzung von Hauptverkehrsstrassen endlich Milchkaffee und aufgebackene Brötchen mit Butter und Marmelade bekamen. Was war das für ein Genuss!
Nach dem Frühstück sind Mikel und ich jeder für sich in Richtung Etappenziel weitergelaufen. Mikel läuft etwas schneller als ich und macht auch weniger und kürzere Pausen. Stillstand gibt es für ihn anscheinend nicht.

Mittags war ich in Puebla de Sanabria, einem hübschen, kleinen Städtchen mit einem alten Schloss, das die Stadtsilhouette dominiert. Dort wollte ich Bargeld aus einem Geldautomaten beziehen und Mittag essen.
Das elektronische Bezahlen, z.B. mit einer Debitkarte, ist im modernen Spanien natürlich gang und gäbe. In vielen Pilgerherbergen und auch in den kleinen Geschäften an den Jakobswegen wird weiterhin mit Bargeld bezahlt, etwas anderes geht dort gar nicht. Geldautomaten zum Bezug von Bargeld gibt es oft tagelang nicht, und so kann es passieren, dass man plötzlich knapp bei Kasse ist, wenn man darauf kein Auge hat.
In Puebla de Sanabria habe ich eine ganze Weile nach dem Geldautomaten gesucht. Ich fand ihn schliesslich hinter der Eingangstür zu einer Bank. Auch über das Beziehen von Bargeld gibt es Gerüchte über Geldkarten, die der Automat nicht mehr ausgespuckt hat; zum Glück ist mir das noch nie passiert.
Mit neuem Bargeld in der Tasche bin ich dann in ein Restaurant zum Mittagessen gegangen. Was ich mir gewünscht hatte, habe ich nicht bekommen – einen herzhaften, warmen Eintopf – der Koch machte schon Siesta. Stattdessen gab es viele, verschiedene Tapas, aus denen ich wählen konnte. Alle waren ausgesprochen lecker, so dass ich zufrieden weitergelaufen bin.

Nach langen, zum Teil mühsamen Aufstiegen bin in gegen 16 Uhr an meinem Etappenziel angekommen: Die private Herberge von Requejo, ein kleiner Ort mit mehrheitlich traditionellen Steinhäusern. Im grossen Schlafsaal der Herberge hatten es sich schon fünf Italiener*innen gemütlich gemacht. Denen bin ich in den vergangenen Tagen schon mehrmals begegnet. Sie starten ihre Etappe immer um 5 Uhr morgens, wenn es draussen noch stockdunkel ist. Da keiner von denen Englisch spricht, können wir uns immer wieder nur freundlich zulächeln.
Mikel war noch nicht in der Herberge eingetroffen und so bin ich nach Duschen und Wäschewaschen in eine Bar zum Abendessen gegangen. Auch dort gab es gerade keinen Koch. Nach einem leckeren Sandwisch und einem kalten Bier konnte ich den Tag trotzdem zufrieden beenden. Mir fielen die Augen zu. Mikel war inzwischen auch eingetroffen. Sein GPS-Gerät hatte ihm einen Umweg empfohlen.
