Von Rionegro del Puente nach Asturianos
Wetter: Nachts hat es etwas geregnet, morgens war es sonnig, klar und frisch. Nachmittags dominierte das Gefühl von Frühling, das Laufen war sehr angenehm
Die 5 italienischen Pilgerbrüder und -schwestern im grossen Schlafraum der Herberge von Rionegro del Puente sind schon um 5 Uhr aufgebrochen. Da war es noch finstere Nacht. Für Rabea‘a (Italien), Mikel (USA) und mich begann der Tag 2 Stunden später. Nach einem improvisierten, kleinen Frühstück sind wir auf Trampelfaden neben einer Fernstrasse in nordwestlicher Richtung losgezogen. Jeder von uns ist eine gute Läuferin/ein guter Läufer und so sind wir ohne Pause in gut 2 Stunden nach Mombuey gelaufen. Dort, nach 9 Kilometern, gab es endlich Frühstück.
In einem kleinen Supermercado hat sich dann jeder mit etwas Proviant für den Nachmittag eingedeckt und weiter ging es in Richtung Asturianos, einem gepflegt aussehenden Dörfchen mit 260 Einwohnern. Eine Mittagspause unter einem Vordach einer alten, kleinen Kirche habe wir noch gemeinsam gemacht. Danach lief jeder sein eigenes Tempo und bald war jeder mit sich und seinen Gedanken allein.
Heute sind wir gemächlich von 800 auf 1’000 Höhenmeter geklettert. Hier ist jetzt gerade Frühling.

Das Gras ist hier leuchtend grün und manchmal sah ich erste Blätter an den Bäumen, und immer wieder bunte Blüten.

Besonders fasziniert hat mich der Kalifornische Mohn, der hier oft um alte Bauernhöfe und Stallungen blüht.


Die Pilgerherberge von Asturianos befindet sich in einer grossen Turnhalle am Rande des Dorfes. Sie ist hell, modern, und sehr grün rundherum, mit schönen Plätzen zum Sitzen. Die Küche der Herberge ist etwas spartanisch eingerichtet und kann zurzeit wegen Reparaturen nicht benutzt werden. Dafür gibt es eine Café-Bar und draussen unter einem grossen Baum schöne Sitzplätze.

Rabea‘a und ich haben spontan beschlossen, zurück ins Dorf zu laufen und für ein Abendessen am Picknicktisch vor der Herberge einzukaufen. Das war nicht ganz einfach – viele Waren kommen in zu grossen Gebinden – aber es hat dann doch fürs Abendessen gereicht. Nur das Brot war für zwei Esser sehr mächtig.
Das gemeinsame Abendessen war für mich die Gelegenheit, etwas mehr über Rabea‘a zu erfahren, die ich das erste Mal in Zamora getroffen habe. Rabea‘a sieht für mich Südindisch aus, aber hat einen Italienischen Pass. Sie ist ursprünglich eine Muslima aus dem Südjemen. Sie lebt mit ihrem Mann am Lago Maggiore, der dort eine Ferienanlage für ayurvedisches Leben führt. Sie kocht dort und kümmert sich um den Garten. Ihr Mann hätte sie bei der Verwirklichung ihren Jakobswegpläne sehr unterstützt, erzählte sie.
Rabea‘a war schon auf 2 anderen Jakobswegen und ist dieses Jahr 60 geworden. Sie möchte gern als Geburtstagsgeschenk mit ihrem Mann den Anapurna-Circuit in Nepal laufen Sie hat sich gefragt, ob sie das körperlich noch kann und ist deshalb hier auf der Via de la Plata.
Auf den Jakobswegen, auf denen ich dieses Mal unterwegs bin, ist ein buntes Völkchen unterwegs. Rabea‘a fällt auf, durch ihr Aussehen, ihre Kleidung und ihre Höhlen, die sie sich für die Nacht baut. Ich nehme an, sie macht das, damit sie niemand beim Schlafen ansehen kann.