12. April 2023 – Tag 35

Von Requejo nach Lubian

Wetter: Morgens war es kalt und windig, aus dunklen Wolken fing es bald an zu regnen. Nachmittags riss die Wolkendecke endlich auf. Es wurde wieder sonnig aber der Wind blieb kühl.

Der grosse Schlafsaal der privaten Herberge von Requejo leerte sich gegen 5 Uhr; die Italienischen Pilgerbrüder und -schwestern brachen zu ihrer Tagesetappe auf. Zwei Stunden später sind Mikel und ich mit gepackten Rucksäcken in die Café-Bar nebenan gezügelt, wo schon viel Betrieb war.

Mich hat dieser kurze Weg ordentlich aufgerüttelt, denn draussen sah es so aus, als wollte gleich ein Unwetter beginnen. Dunkle Wolken zogen über den Himmel und kalter Wind zerzauste meine Haare. Musste gerade heute das Wetter schlecht werden? Heute müssen wir den höchsten Pass der Via de la Plata übersteigen. ‚Akzeptiere was ist‘ kam mir in den Sinn. Nun gut, ich will es probieren. Das Frühstück war lecker, die extra Tasse Milchkaffee ebenso. 

Während des Wegs aus Requejo blies weiterhin ein kalter Wind aber es blieb trocken. Doch bald im Aufstieg zum 1‘352 m hohen Pass begann es zu regnen. Mit Treckingschirm und Regenschutz über dem Rucksack ging es für mich dann höher und höher hinaus. Mikel hatte zum Schutz vor dem Unwetter nur eine Regenjacke an.

Mikel umgeht eins der vielen Schlammlöcher auf dem Weg zum Pass

Bald steckten wir in Wolken und die Nässe kam von überall her. Im Weg hoch zum Pass floss immer wieder Wasser. Wir mussten sehr aufpassen, um nicht auszurutschen. Noch vor Mittag standen wir endlich oben. Es regnete immer noch und die Sicht war lausig, als wir den Abstieg in Angriff nahmen.

Hier fanden Mikel und ich Schutz vor dem Regen und etwas Warmes zum Trinken. Der Pass lag nun schon hinter uns

Eine halbe Stunde später öffneten wir die Tür zu einer warmen Stube. Dort verbarg sich ein Schlaraffenland! Ein Café/Restaurant war das, und ein Laden für Schinken, Käse, Wurst und Gebackenem, Leckereien aus der Gegend, Andenken und vieles mehr.

Ein alter Mann, nass vom Regen, betrat den Laden, legte den Blumenstrauss auf den Tresen und verschwand wieder. Der Besitzer des Ladens stellte den Strauss in eine Vase, gut sichtbar für die, die an einem der Tische sassen. Das hat mir gefallen

Wir haben dort heissen Milchkaffee getrunken und ein Sandwich gegessen, uns aufgewärmt und dann den weiteren Abstieg zur Pilgerherberge in Lubian in Angriff genommen.

Bei unserer Ankunft dort riss die Wolkendecke auf und wenig später war es wieder so sonnig wie all die vielen Tage zuvor. Bei einem dreigängigen Pilgermenu inklusive einer Flasche Wein konnten wir das Unwetter schon fast vergessen. Auch die nasse Kleidung war schon fast wieder trocken.

Der Ort Lubian mit 180 Einwohnern ist unser heutiges Etappenziel. Er liegt auf 1’023 Höhenmetern, auch hier ist erst Frühling

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