Wetter: Die Sonne schien den ganzen Tag, morgens war es kalt (+7°), nachmittags waren die Temperaturen wieder angenehm.
Da sich mein Tag als Tourist in Salamanca mehrheitlich in und um die Kathedrale und auf einer grossen Osterprozession abspielte, möchte ich ein paar Informationen dazu vorwegschicken:
Die Kathedrale: Die neue Kathedrale von Salamanca (Catedral Nueva de Santa María del Asedio, gebaut 1733-1762) ist zusammen mit der angrenzenden kleineren, alten Kathedrale (gebaut im 12. und 13. Jahrhundert) die Bischofskirche des römisch-katholischen Bistums Salamanca. Die in Formen der Nachgotik und Renaissance erbaute Basilika ist Teil der UNESCO-Welterbestätte ‚Altstadt von Salamanca‘.

Die Osterwoche in Spanien: Traditionell beginnt Ostern in Spanien bereits am Palmsonntag (also heute) und endet am Ostersonntag mit der Auferstehung Christi. Dabei wird an den Leidensweg Christi erinnert.

Begleitet wird die Karwoche (Semana Santa) in Spanien von zahlreichen Osterprozessionen. Der Start ist am Palmsonntag, den Höhepunkt bilden die Prozessionen am Karfreitag.

Die Osterprozessionen werden von den jeweiligen Hermandades (Bruderschaften) und Cofradías (Mitbrüder) veranstaltet, und können mehrere Stunden dauern. Dabei werden schwere Heiligenstatuen von den Mitgliedern der Bruderschaften durch die Strassen getragen. Die Bruderschaften tragen Kutten, die sich farblich unterscheiden.
Auffallend an der Kleidung sind die spitzen Kapuzen, die das Gesicht sowie den ganzen Kopf bedecken, nur die Augen sind zu sehen. Obwohl die Figuren sehr schwer sind, ist es eine Ehre sie zu tragen.
Am Palmsonntag warten die Kinder vor der Kirche auf die Segnung ihrer frischen Palmzweige. Dabei wird an Jesus Einzug in Jerusalem erinnert, der dort mit Palmblättern begrüsst wurde.

Auch Olivenzweige werden am Palmsonntag von Priestern in ganz Spanien gesegnet. Sie sollen das Jahr über Glück und Segen bringen.
Am Ostersonntag endet die Semana Santa mit einem grossen Familienfest.
In Spanien gibt es keine Osterhasen und keine Ostereier.
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Klar wollte ich mir die Kathedrale von Salamanca anschauen, und so bin ich zuerst dorthin gelaufen, um herauszufinden, wann sie geöffnet ist. Zu meiner Überraschung besuchten dort schon viele Menschen sonntäglich gekleidet einen Gottesdienst in der grossen Kirche. Er endete mit der Segnung von frischen Palmwedeln und Olivenzweigen. Es erfolgte dann ein Umzug in die kleinere Kathedrale, wo der Gottesdienst fortgesetzt wurde.
Nach den Gottesdiensten zogen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Altstadt, wo sie einen Ring von Strassen mehrreihig umsäumten. Dieser Ring hatte seinen Anfang und sein Ende an der Kathedrale. Nach etwa zwei Stunden geduldigem Warten startete an der Kathedrale eine Prozession von Menschen in verschiedenen Kostümen mit Palmwedeln.

Viele Frauen und Kinder waren dabei. Auch eine grosse und schwere Figurengruppe aus Holz wurde mitgeführt.

Nach dem Umzug, der völlig unspektakulär verlief, bevölkerten die Menschen die Altstadt für den Rest des Nachmittags. Zum Teil war da kein Durchkommen mehr.
Ich fand den Verlauf des Nachmittags in Salamanca sehr spannend, aber auch ein bisschen rätselhaft, da mein Spanisch nicht reicht, um mich besser kundig zu machen, was ich da eigentlich gesehen habe. Klar ist aber, viele Spanier*innen nehmen Ostern sehr ernst.
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Viele Spanier*innen nehmen in der Karwoche Ferien. Über das, was ich nun beschreibe, gibt es jede Menge Gerüchte. Wie nahe die an der Wahrheit sind, weiss ich nicht.
Also, man sagt, dass viele von denen, die ab morgen Ferien machen, Pilgern gehen und die Jakobswege bevölkern, einschliesslich der Pilgerherbergen. Wo schlafen dann die Langzeit-Pilger?
Man sagt, dass Donnerstag, Freitag und Sonntag alle Läden und Restaurants geschlossen sind. Was und wo essen dann die Langzeit-Pilger?
Wenn an den Gerüchten, die zurzeit kursieren, etwas Wahres dran ist, könnte die nächste Woche die schwierigste Herausforderung während meiner Pilgerreise werden. Ich werde berichten.
Die morgige Etappe ist etwa 37 km lang. Am Zielort gibt es 2 Herbergen mit insgesamt 32 Betten.