Von San Pedro de Rozados nach Salamanca
Wetter: Morgens grau und kühl, die Wolkendecke blieb fast den ganzen Tag geschlossen
Frühstück sollte es heute um 7:30 Uhr geben, das hat uns die Herbergsmutter versprochen. Ich habe in der Pilgerherberge nach einer kalten Nacht rechtzeitig meinen Rucksack gepackt und stand dann aber vor einer verschlossenen Hoteltür. Innen war es dunkel. Meine Pilgerbrüder und -schwestern versuchten, für mich die Tür zu öffnen, aber konnte den Schlüssel nicht finden. Nach 10 Minuten tauchte eine verschlafene Herbergsmutter und gab sich grosse Mühe, Milchkaffee und ein Frühstück herzuzaubern.
Von San Pedro de Rozados nach Salamanca sind es gut 23 km. Den zweiten Kaffee sollte es im Dörfchen Morille geben, aber dort waren beide Café-Bars geschlossen. Von dort ging es über Hügel mit Gras und Büschen, mal ansteigend und mal abfallend, in Richtung der grossen Stadt.

Heute liefen mit uns zwei holländische Männer, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Ein grosser, korpulenter, von etwa 50 Jahren, und ein kleiner, hagerer, der 74 Jahre alt ist. Das waren Grossvater und Neffe, die zusammen ihren Traum ‚Jakobsweg‘ wahr machten. Ich fand es erstaunlich, wie fit der kleine Hagere war.
Auf den letzten 5 km vor Salamanca sind wir grossen Gruppen von Buspilgern begegnet, die mit kleinen Rucksäcken und Wanderstöcken für ein paar Stunden Pilger*innen sein durften.
Die Seite, von der wir uns Salamanca näherten, verriet nichts von der Schönheit der Altstadt. Mike und Lukas hatten kein Zimmer reserviert und machten sich allein auf ins Stadtzentrum. Ich hatte ein Zimmer für das Wochenende gemietet, und konnte auf Google-Maps sehen, dass es an der Kathedrale vorbei etwa 10 Minuten zu Fuss entfernt war.
Ich bin gemütlich dorthin gebummelt und habe mir unterwegs dies und das von aussen angeschaut, u.a. die Kathedrale und den Plaza Mayor.


An der Tür zur Pension wurde rasch klar, was dort auf mich wartete: Es gibt keine Rezeption, die Türen zu den Zimmern werden elektronisch geöffnet und die Codes erfährt man, wenn man eine elektronische Kopie seines Passes an eine nicht identifizierbare Adresse schickt. Das habe ich probiert, aber es hat nicht funktioniert. Was nun?
Ich habe die Telefonnummer an der Tür der Pension aufgeschrieben und bin in die Café-Bar nebenan gegangen. Dort habe ich den Barmann um Hilfe gebeten. Die hat er verweigert; er wolle damit nichts zu tun haben. Eine Kundin der Bar, sehr nett aussehend und etwa in meinem Alter, hat sich eingemischt und den Barmann aufgefordert, für mich dort anzurufen. Er hat das schliesslich zähneknirschend gemacht. Zwischenzeitlich hat die nette Frau dem Barmann das Telefon abgenommen und selbst telefoniert. Und dann ist der Barmann mit seinem Telefon und mit mir zur Tür der Pension, hat dort den Zahlencode eingetippt, den er vom anderen Ende der Leitung erfuhr. Die Tür ging auf. Zwei weitere Türen hat er so geöffnet, und dann stand ich in meinem Pensionszimmer. Und dort lagen für mich 3 klassische Schlüssel für die 3 Türen. Der Barmann überreichte sie mir und verschwand. Etwas später bin ich noch einmal in die Bar gegangen und habe mich bei den beiden bedankt. Ohne deren Hilfe würde ich nun auf der Strasse stehen.


Ich bin dann noch einmal durch die Stadt gebummelt. Aber da es schon nach 16 Uhr war, hatte viele Läden geschlossen und so waren viel weniger Menschen auf den Strassen. Ich war sehr müde, habe mir noch ein Medikament gegen mein Kratzen im Hals und meinen Hustenreiz gekauft – das hatte mir Lukas empfohlen – und bin in mein Pensionszimmer zurückgekehrt. Ich muss jetzt erst einmal schlafen und hebe mir weitere Besichtigungen für morgen auf.
Schlaft gut!