Von Vilar de Barrio nach Ourense
Wetter: Den ganzen Tag vom Feinsten. Nachmittags zu warm zum Laufen und zum Rucksack-Tragen
Heute war ein Tag, an dem ich sehr deutlich meine physischen und psychischen Grenzen gespürt habe, und dann ist doch wieder alles gut geworden.
Ich werde versuchen, dass später für euch aufzuschreiben. Jetzt bin ich dazu zu müde.
Nachträglich hinzugefügt:
Ganz allein in der Pilgerherberge von Vilar de Bario, hatte ich eine gute, ruhige Nacht. Der Heilige Jakobus hat meine Bitte um ein Frühstück am heutigen Sonntagmorgen gehört und meinen Wunsch erfüllt. Danke! Das Restaurant, in dem ich gestern einen gemischten Salat gegessen habe, war offen und servierte mir zum Frühstück leckere Toastados mit Butter und Marmelade, und Milchkaffee.
Gestärkt und zuversichtlich machte ich mich auf den 12 km langen Weg nach Xunqueira de Ambia. 3.5 Std habe ich dafür gebraucht.

Gestern bin ich über 10 Stunden gelaufen, und so waren meine Beine nach der Vormittagsetappe müde.
In einem Restaurant neben der ungewöhnlich grossen Kirche für so einen kleinen Ort, habe ich eine Gemüsesuppe gegessen, und dann auch noch den Rest des dreigängigen Menus.
Die Mittagspause hat mir gutgetan. Nach dem üppigen Essen war aber mir mehr nach Mittagsschlaf als nach weiterlaufen.

Diese Option habe ich verworfen und mich stattdessen auf den Weg nach Ourense gemacht. Für die 22 km veranschlagt mein Wanderführer 6 Stunden. Erst ging es in einem lichten Wald aufwärts und dann unendlich lange flach auf dem Seitenstreifen einer Strasse. Lange Strecken auf Asphalt vermeide ich, wenn immer möglich. Heute habe ich mich über die Café-Bars an der Strasse gefreut, in denen ich pausieren und kühle Getränke zu mir nehmen konnte. Die Sonne war heute ausgesprochen intensiv und machte mich sehr durstig.
Der Weg in die Stadt Ourense, mit etwa 100‘000 Einwohnern so gross wie Santiago de Compostela, war kein Zuckerschlecken. Lange bin ich durch hässliche Industrievororte gelaufen, dann über mehre, riesige Strassenkreisel mit verwirrender Beschilderung.

Ich wollte in der städtischen Pilgerherberge in der Nähe der Kathedrale übernachten, die vor einiger Zeit an einen neuen Ort gezügelt ist. Nicht klar war mir, ob die Hinweisschilder in der Innenstadt zur alten oder neuen Lokation wiesen. Nach Eingabe der neuen Adresse in meine GPS-App wurde mit ein Ort weit weg von Ourense angezeigt. Das war nun wirklich keine Hilfe!
Lange Zeit bin ich um die Kathedrale geirrt. Menschen, die ich nach der Herberge gefragt habe, wiesen mich mal in diese und dann wieder in eine ganz andere Richtung. Und am Ende stand ich immer wieder vor dem Nichts. Viele Menschen sassen draussen vor Cafés und Restaurants und genossen den schönen Abend und ich irrte weiter herum auf der Suche nach einem Bett für die kommende Nacht. Das hat mich frustriert und ich fühlte plötzlich eine grosse physische und psychische Müdigkeit.
Ich bin dann noch einmal zum letzten Herberge-Wegweiser zurückgegangen, um noch einmal zu schauen, wohin der genau zeigt. Da tauchte dort plötzlich eine junge Frau mit Plakaten für Veranstaltungen, die sie an Laternenpfähle klebte, auf. Die habe ich auch nach dem Weg gefragt. Sie schien wirklich zu wissen, wo sich die Herberge befindet, und zeigte mir, in welche Richtung ich gehen muss und wie ganz genau.
Ich folgte ihren Anweisungen und kurze Zeit später stand ich vor der Herberge. Was war ich glücklich! Ich erfuhr dort, dass es nur noch obere (Doppelstock)Betten gab, aber das war mir egal.
Und schon bald sass ich draussen vor einem der gemütlichen Cafés und bestellte ein kaltes Bier und ein Sandwich. Und da wurde alles wieder gut.

DANKE!