Von El Cubo de la Tierra del Vino nach Zamora
Wetter: Morgens sonnig und sehr kalt (+0°), nachmittags wieder angenehm warm
In der Herberge zu frühstücken war auch heute eine gute Entscheidung. In netter Runde haben wir von all‘ dem probiert, dass der Herbergsvater für uns bereitgestellt hatte.
Draussen wurde es gerade hell, als ich meinen Weg nach Norden startete. Die Pfeile, die mich aus dem Ort führten, waren leicht zu finden. Auf der Jakobsweg-Piste, die sich gleich daran anschloss, ging es dann immer geradeaus nach Norden.

Ich traf schon bald Solange und Nadine, mit denen ich etwa 3 1/2 Stunden in flottem Tempo gelaufen bin.

Mittags erreichten wir ein kleines Dorf mit Pilgerherberge und einem Bar-Restaurant. Solange und Nadine haben sich die Herberge angesehen und beschlossen, dort zu übernachten. Ich habe ein Ei-Sandwich gegessen und einen Milchkaffee dazu getrunken und bin dann weiter zu meinem eigentlichen Etappenziel gelaufen: Die Stadt Zamora über dem Fluss Duero.
Bis dorthin war es ein sehr weiter Weg durch mehrheitlich landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Zamora konnte ich schon sehen, als es noch 12 km entfernt war. Nur sehr langsam ist es näher gerückt.

Irgendwo im Niemandsland hat mich lässig ein kalifornischer Pilgerbruder überholt. Schon kurze Zeit später konnte ich ihn nicht mehr sehen.

Ich bin vom Fluss Duero zur Donativo-Pilgerherberge hochgestiegen und habe dort ohne Probleme eins der 32 Betten bekommen. Mit mir waren es zu diesem Zeitpunkt 7 Pilger*innen, die dort übernachten wollten.
Ich habe später mit der Herbergsmutter über das Gerücht gesprochen, dass in der Osterwoche spanische Kurzzeitpilger*innen unterwegs wären, die um Schlafplätze und Essen mit den Langzeitpilgern konkurrieren würde. ‚In den Herbergen, die sie kennt, wäre das nicht so‘, berichtete sie. Wenn das keine gute Nachricht ist!
Nach dem Duschen habe ich mich dann mit der Suche nach neuen Wanderschuhen beschäftig. Google hatte mir ein paar Adressen von Schuhgeschäften in Zamora ausgespuckt, die ich erfolglos besucht habe. Die hatten alle nur feine Schuhe, obwohl ich ‚Wanderschuhe‘ als Suchwort verwendet hatte. Eine Filiale des grossen Sportgeschäfts, in dem ich meine neue Wanderhose gekauft habe, gibt es auch hier. Sie befindet sich mehrere Kilometer ausserhalb der Stadt an einer Autobahn. Ich habe für eine kurze Weile versucht, dorthin zu laufen, musste aber bald einsehen, dass das zu weit ist nach einer langen Tagesetappe. Das muss bis morgen warten.
Zamora ist bekannt für seinen christlichen Ausnahmezustand in der Osterwoche. Es gibt dort täglich beeindruckende Prozessionen, die an der Kathedrale starten und sich dann durch die Menschen-umsäumten Strassen der Altstadt winden.
Die besten Plätze an den Strassen wurden schon ab 17 Uhr besetzt. Ab 20 Uhr war ein Durchkommen durch die Massen schon schwierig. Bis 22 Uhr war in der Nähe der Herberge noch nichts von einer Prozession zu sehen. Da die Herberge um 22 Uhr schliesst, war mein Warten umsonst gewesen. Ich muss wohl einen Tag länger hierbleiben und woanders schlafen, wo ich bestimme, wann ich ins Bett gehe. Bin ich überhaupt zu schnell unterwegs? Gestern hatte ich für eine Weile dieses Gefühl.
