05. April 2023 – Tourist in Zamora

Wetter: Morgens sonnig und sehr kalt (+2°), nachmittags wieder schön warm

Vor dem Fenster neben meinem Bett stand eine helle Strassenlaterne und nicht weit davon entfernt war eine lärmige Strasse. Und so musste das Fenster über Nacht geschlossen bleiben. Ich habe trotzdem gut geschlafen, frische Luft hat mir aber gefehlt.

Ich habe in der Herberge in netter Runde gefrühstückt. Für mich gab es wieder einmal schwarzen Tee mit Milch, ein gekochtes Ei, und Toastbrot mit Butter und Marmelade.

Mein gestriges Gefühl, dass ich gerade zu schnell unterwegs bin und ich Zamora nicht verlassen sollte, ohne eine Osterprozession gesehen zu habe, ist über Nacht nicht verschwunden. Und so bin ich bei den 2 Hostels, die im Wanderführer als ‚Alternative Unterkünfte‘ angepriesen werden, vorbeigegangen, um zu schauen, ob sie ein Zimmer für die kommende Nacht haben. Leider erfolglos, mein Klingeln sowie meine gestrigen E-Mail-Anfragen wurden nicht beantwortet.

Gerade, als ich aufgeben und den Weg aus der Stadt starten wollte, kam ich an einem etwas besserem Hostel vorbei. Die Dame, die erst einmal den Kopf schüttelte nach meine Frage nach einem Zimmer, hatte dann doch ein schönes Einzelzimmer für mich. Der Preis von 95 Euro pro Nacht hat mich kurz zögern lassen, aber ich habe dann doch zugesagt.

Später dann, allein im Zimmer, war ich froh, so entschieden zu haben. Ich brauche einfach Zeit, um endlich das Problem meiner zerbröselnden Schuhsohlen zu lösen, sprich, ich brauche neue Schuhe!

Was dann folgte, ist schnell erzählt. Ich bin als gut trainierter Weitläufer zu Decathlon Zamora gelaufen. Die Auswahl an leichten Schuhen zum weit Laufen im Gelände war riesig. Ich habe mich beraten lassen und dann ein Paar gekauft. Ich bin dann zurückgelaufen, war einen leckeren gemischten Salat essen, habe die Schuhe in mein Hotelzimmer gebracht und noch eine Runde durch die Altstadt gedreht.

Zamora ist eine hübsche, beschauliche Stadt, die sich gut zu Fuss erkunden lässt. Sie verfügt sie über eine bedeutende Geschichte und hat zahlreiche kulturelle Schätze und architektonische Sehenswürdigkeiten vorzuweisen
Um Zamora für Touristen attraktiver zu machen, fördert die Stadt u.a. Strassenkunst (Arte Urbano). Mein Foto zeigt ein Wandbild am Flussufer des Duero in der Nähe der Kathedrale
Bisher gibt es 36 große Wandgemälde, die Fassaden und Trennmauern schmücken und über verschiedenen Teile der Stadt verteilt sind. Das Foto zeigt Urbane Kunst im Stadtzentrum von Zamora
Eins der vielen malerischen Strässchen in der Altstadt von Zamora

Ins Hotelzimmer kann ich natürlich zurückkehren, wann ich will, und so gehe ich davon aus, dass ich heute Abend eine Osterprozession sehen werde.

Ich bin gerade von der Mittwoch-Osterprozession in Zamora in mein Hotelzimmer zurückgekehrt. Ich habe ganz oben auf einer Tribüne auf einem Platz direkt neben der Prozessionsroute gesessen.

Von hier habe ich der Mittwoch-Osterprozession zugeschaut

Dieser Platz befand sich in der Nähe der Kathedrale, vielleicht 400 m entfernt. Laut Programm sollte die Prozession um 20:30 Uhr an der Kathedrale starten. Mit einer guten Stunde Verspätung kam sie an der Tribüne vorbei. Da es ohne Sonne immer noch sehr kalt ist, bin ich nun ordentlich durchgefroren.

Ich hatte mich nicht kundig gemacht, was ich zu sehen/zu hören bekommen würde. Auch nicht, was die Prozession mit Ostern zu tun hat. Das möchte ich nun nachträglich machen.

Als die Prozession begann, war es schon fast dunkel. Ich habe hunderte Menschen in Zweierreihen mit roten, spitzen Hüten mit Löchern für die Augen an mir vorbeiziehen sehen. Sie hatten alle ein Licht vor sich, etwa auf Höhe der Augen.

Mittwoch-Osterprozession in Zamora. Leider ist ein Foto davon nicht in der Lage, die Magie dieses Events zu vermitteln

Immer mal wieder gab es ein Grüppchen, das leise getrommelt hat. Die Trommelei war einfach aber hypnotisch, die ganze Gruppe hat in dem Trommelrhythmus geschwankt. Zwei Dinge wurden in der Prozession mitgeführt, die auffallend anders waren: Ein grosses durchsichtiges Behältnis, in dem eine Glocke hing. Die wurde während der Prozession ein paar Mal angeschlagen. Es gab auch noch einen etwa 5 m hohen Christus am Kreuz.

Das magische an dieser Prozession war die leise, zarte Trommelei und die Tatsache, dass wenn sie zu hören war, das Publikum vollkommen still war, selbst die Kinder. Diese stillen Momente waren voller Magie. Der Trommelei hätte ich immer weiter zuhören können.

Im Internet habe ich gefunden, dass ich der Prozession ‚Cristo de las Injurias‘  beigewohnt habe.

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