29. März 2023 – Tag 23

Von Aldeanueva del Camino nach Calzada de Bejar

Wetter: Sehr sommerlich, morgens ideal zum Laufen, nachmittags habe ich dabei geschwitzt

In Aldeanueva del Camino gibt es keine Café-Bar, in der man frühstücken kann. Deshalb habe ich heute für 2 Euro in der Pilgerherberge gefrühstückt. Wer das möchte, muss sich am Vortag dafür anmelden und bezahlen. Der Herbergsvater bereitet das Frühstück dann spät abends vor und deponiert es im Kühlschrank in Schachteln mir Namensschildern. Und so kann man am nächsten Morgen frühstücken, wann immer man möchte.

In meiner Box fand ich 2 Scheiben Toastbrot, 2 Portionen Butter, 2 Portionen Marmelade, 1 Portion Zucker, 1 Beutel schwarzen Tee, 1 kleines Päckchen Kuchen, I Päckchen Kekse, je 1 Tetrapack Milch und Orangensaft, alles hygienisch und einzeln in Plastik verpackt. Und das heisst dann: Nach dem Frühstück bleibt ein Riesenberg Plastikmüll zurück. Diese Unsitte hat sich nicht nur in Pilgerherbergen etabliert. Wenn man in einem Restaurant einen Salat bestellt, bekommt man oft verschweisste Töpfchen mit Olivenöl und Essig, und Tütchen mit Salz und Pfeffer. Ich glaube, dass das eine Folgeerscheinung der Coronavirus-Pandemie ist.

Und nun noch eine wichtige Frage: Hat dieses Frühstück geschmeckt? Nicht wirklich, aber es hat mir ermöglicht, die Etappe zu starten und durchzuhalten bis zum 2. Frühstück in einer Café-Bar. Für mich gab es da Churros und Milchkaffee.

Auf dem Seitenstreifen dieser Landstrasse musste ich heute Morgen 2 Stunden laufen

Heute Morgen gab es nur wenige gelbe Pfeile, die mich aus Aldeanueva del Camino geleitet haben. Da war viel Intuition gefragt (und ein Pilgerbruder mit einem guten GPS-Gerät). Durch mehrere Strassenkreisel ging es, über eine Autobahn und dann etwa 7 km auf dem Seitenstreifen einer Landstrasse. Die Natur links und rechts davon war prächtig aber, nichtsdestotrotz, ich lief 2 Stunden auf einer Strasse.

Moderner Wegweiser für Jakobspilger. Die Farben auf den Kacheln beschreiben den Zustand des alten Handelswegs: gelbe Kachel, gut zu gehen; grün-gelbe Kachel, der Weg folgt dem Verlauf der Römerstrasse

Der kleine Ort Banos Montemayor hat mich für das unschöne erste Drittel meiner heutigen Etappe entschädigt. Schon die Römer genossen dort die heilenden Thermalquellen. Die historische Altstadt ist gut erhalten und ganz sicher einen Spaziergang wert. In einem Café am Plaza Mayor habe ich Sandro, Paulo und Dario wiedergetroffen, die dort ihr zweiten Frühstück genossen.

Ich habe dann noch eine alte Kirche am Grossen Platz des Ortes umrundet. Als ich versuchte, die Tür der Kirche zu öffnen, ging sie entgegen meiner Erwartung auf. Ich sah zwei Frauen mit Putzzeug, die mir zuwinkten und mich einluden, in die Kirche zu kommen. Eine holte gleich den Stempel der Kirche aus einer Schublade und stempelte damit mein Pilgerpass. Aus einem Nebenraum kamen 5 weitere Frauen und gesellten sich zu uns. Ich erklärte ihnen, dass ich ein Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela bin. Darüber waren sie sichtlich erfreut. In ihren Gesichtern konnte ich Erstaunen und Bewunderung lesen. Eine der Frauen holte aus einem Nebenraum ein kleines Bild der Schutzpatronin des Ortes und schenkte es mir. Sie solle mich auf meinem Weg beschützen.

Die Begegnung mit den sieben Frauen hat mich seelisch stark berührt. Ich hatte für den Rest des Tages das Gefühl, dass dort in der Kirche etwas Aussergewöhnliches passiert ist.

Kurz hinter Banos de Montomayor läuft man ein paar Kilometer auf dem alten römischen Strassenpflaster
Gut erhaltenes römisches Strassenpflaster

Der steil ansteigende Weg aus dem Ort verlief auf einem gut erhaltenen Stück des Römischen Handelswegs, der die Via de la Plata einmal war. Sogar Distanzsäulen mit Inschriften (Miliarien) gab es dort zu sehen.

Römische Distanzsäule mit Inschrift

Und weiter ging es schweisstreibend nach oben, und nach dem Pass auf 848 m. für lange Zeit wieder bergab durch einen Wald mit Flechten an den Bäumen und Moos auf grossen Felsen.

Büsche und Bäume hatten hier noch keine Blätter

Zur Pilgerherberge, in der ich heute übernachte, ging es noch einmal eine Dreiviertelstunde steil bergauf.

Mein Schlafplatz in Calzada de Bejar

Das Herz der Albergue Alba-Soraja in Calzada de Bejar besteht aus 2 kleinen Zimmern mit je 6 Doppelstockbetten; mehr hätten wirklich nicht reingepasst.

Blick in einen mit Doppelstockbetten zugestellten Schlafraum

Das Plus ist ein grosser Garten mit vielen Sitzgelegenheiten. Auch der Gemeinschaftsraum sieht einladend aus, aber dort laufen oft Soaps, die spanische Pilger anscheinend auch auf dem Camino sehen müssen.

Der Ort Calzada de Bejar mit etwa 100 Einwohnern sieht so aus, als wenn dort vor langer Zeit die Zeit stehen geblieben ist.

Ein Haus im Ortskern von Calzada de Bejar

Staunend bin ich durch die Strassen in der Nähe der Kirche gelaufen und habe die kleinen, verwahrlosten, zweistöckigen Häuser angeschaut. In vielen dieser Häuser scheinen seit langer Zeit alle zu schlafen. Oder nicht? Fernsehantennen sieht man fast überall.

Schauen die alle diese schrecklichen Soaps? Auf die Schnelle konnte ich im Internet nichts über diesen Ort finden.

Kann in einem solchen Haus noch jemand wohnen?

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