Von Campobecerros nach Vilar de Barrio
Wetter: Das schlechte Wetter der vergangenen Tage hat sich letzte Nacht verzogen. Heute Morgen war es noch frisch und Schäfchenwolken zogen über den Himmel. Im Laufe des Vormittags verschwanden die Wolken und die Temperaturen wurden wieder angenehm sommerlich.
Die Küchencheffin des Bar-Restaurants von Campobecerros hatte mir Frühstück um 8 Uhr versprochen; zu früher konnte ich sie nicht überreden. Pünktlich standen Milchkaffee und aufgebackene Weissbrotscheiben mit Butter und Marmelade vor mir. Keine halbe Stunde später war ich mit meinem Rucksack auf dem Rücken unterwegs. Ich fühlte mich gut und stark.

Für die heutige Etappe wurden in meinem Wanderführer 10 Stunden Laufzeit veranschlagt. Ich war immer noch in den Bergen und so ging es lange Strecken hoch und runter durch eine frühsommergrüne Welt.

Mittags passierte ich den Ort Laza mit 1‘300 Einwohnern. Im Laufe des Vormittags hatte ich davon geträumt, Spiegeleier mit Schinken und Tomatensalat zu essen und genau so kam es dann auch. Draussen im Schatten und windgeschützt habe ich diese Mahlzeit sehr genossen.

Nachmittags wurden meine Beine müde und ich war in Versuchung, die Etappe 2 Stunden früher als geplant in einer Herberge, die in meinem Wanderführer nicht beschrieben wird, zu beenden.

Das hätte aber die morgige Etappe extrem lang gemacht und so habe ich die Zähne zusammengebissen und bin weiter gelaufen.

Gegen 18:30 Uhr erreichte ich die neue Pilgerherberge im Zentrum von Vilar de Barrio. Die Herbergsmutter empfing mich ein bisschen wie einen verloren gegangenen Sohn. Kein Wunder, ich war (und blieb) der einzige Übernachtungsgast.
Nach Registrierung, einer Führung durchs Haus und Wahl meines Bettes bin ich erst einmal in das Restaurant in der Nähe der Herberge gelaufen (schon wieder laufen!) und habe dort nach einem grossen, gemischten Salat gefragt. Davon hatte ich zum Ende meiner heutigen Etappe geträumt. Die Kellnerin war anscheinend nicht sicher, ob ich wirklich nur Salat essen möchte, aber ich konnte sie davon überzeugen. Bis der mit viel Liebe zubereitete Salat vor mir stand – genau so, wie ich ihn mir gewünscht habe – gab es für mich ein kaltes Bier und ein Schüsselchen Nüsse.

Satt und ausgesprochen zufrieden bin ich in die Herberge zurückgekehrt, habe geduscht, ein T-Shirt und ein Paar Socken gewaschen und dann noch diesen Text geschrieben. Dabei sind mir schon ein paarmal die Augen zugefallen.
Morgen ist Sonntag, die örtlichen Café-Bars sind wahrscheinlich alle geschlossen. Die nächste Möglichkeit zum Frühstücken ist weit weg. Ich bin gespannt, was dem Jakobus dazu einfällt?
Eine gute Nacht wünscht euch Arnd.