Von Zamora nach Granja de Moreruela
Wetter: Morgens sonnig und kalt, nachmittags wieder schön warm
Ich wollte eigentlich in Riego des Camino übernachten, aber dort waren beide Pilgerherbergen geschlossen. Als das klar wurde, war es schon 17 Uhr vorbei. Die Dörfer hier sind um diese Zeit völlig ausgestorben, Hilfe von Einheimischen ist nicht sehr wahrscheinlich. Ich habe dann geschaut, wie weit es bis zur nächsten Herberge ist in meinem Etappenplan. Wenn man Glück hat, sind es weniger als 10 km. Wenn nicht, muss man schauen, ob es ein Hotel in der Nähe gibt, abseits vom Jakobsweg. Und dann heisst das, Zähne zusammenbeissen und laufen, auch wenn man heute schon über 30 km gelaufen ist.
Heute habe ich Glück gehabt. Nach 7 km gab es eine Herberge, die noch ein Bett und ein Abendessen für mich hatte. Einen Text für diesen Blog zu schreiben, war aber nicht mehr drin. Ich werde versuchen, das nachzuholen.
Nachträglich hinzugefügt:

Heute stand schlicht und ergreifend ‚Laufen‘ im Programm. Gute 35 km waren es bis Riego des Camino.

Die Strecke war abwechslungsreich und bot von ‚Natur pur‘, einem riesigen Strassenkreisel über einer Autobahn, und zwei Überquerungen der Trasse des Hochgeschwindigkeitszugs AVE alles Erdenkliche. Zur Beruhigung der Nerven gab es auch Felder in Monokultur bis zum Horizont. Was zu essen bekam ich in Montamarta.

Mein Etappenziel, der Ort Riego del Camino mit 120 Einwohnern, machte einen völlig toten Eindruck. Keine Menschenseele war dort zu sehen. Die öffentliche Herberge im Zentrum war geschlossen.

Auf einem Zettel an der Eingangstür stand die Adresse der Schlüsselverwalterin. Die machte einen sehr kranken Eindruck und schüttelte nur mit dem Kopf. Die Herberge wäre geschlossen. Mit der privaten Herberge etwas ausserhalb vom Ort hatte ich auch kein Glück. Auch die schien es nicht mehr zu geben. Was nun?
Im Dorf rührte sich weiterhin niemand. Ein Hotel im 10 km Radius um Riego del Camino gab es in Google-Maps nicht. Ein Bus in eine weiter entfernte, grössere Stadt blieb ein netter Traum.
Nun blieb nur noch eine Option: Die nächste Herberge auf dem Jakobsweg. Wie weit war die entfernt?
Ich hatte Glück! Es gab eine in Granja de Moreruela und die war nur 7 km entfernt. Wenn der Weg nicht besonders anspruchsvoll ist, sollte ich in 1 1/2 Stunden dort sein. Und dann habe ich die Zähne zusammengebissen und bin nach den 35 km auch noch die 7 km gelaufen. Fragen wie ‚Warum tust du dir das an?‘ hatte ich dabei nicht.
Nach 1 1/2 Stunden stand ich in der Bar ‚Teleclub‘, bekam ein oberes Doppelstockbett (EGAL!) in der Herberge neben der Kirche, und – etwas später – wieder in der Bar – ein dreigängiges Pilgermenu und Wein, soviel ich wollte.
Pilgern in Spanien ist wunderbar!