Von Galisteo nach Carcaboso
Wetter: Morgens frisch, dann sommerlich warm, blauer Himmel den ganzen Tag
Nach einer ruhigen Nacht in meinem Pensionszimmer bin ich in die Bäckerei im Nachbarhaus gegangen und habe mir ein Schokocroissant und ein Berliner gekauft. In der Küche der Pension habe ich mir einen Tee gekocht, und das war dann ein leckeres Frühstück.
Mike hatte eine schlechte Nacht; sie klagte über Erkältungssymtome. Sie war nicht gut drauf und ich hatte den Eindruck, dass sie und Lukas erst einmal abklären müssen, wie es weitergeht. Ich habe deshalb die heutige kurze Etappe von 11 km allein gestartet.

Die gelben Pfeile führten mich über eine alte, römische Brücke, dann durch mehrere Strassenkreisel und schliesslich auf den Seitenstreifen einer wenig befahrenen Landstrasse bis zum Etappenziel, dem Örtchen Carcaboso mit 1‘100 Einwohnern.

Untergekommen bin ich in einer interessanten aber recht chaotischen Pilgerherberge, der Alberque de Senora Elena. Senora Elena – inzwischen verstorben – war eine der Pionierinnen der Pilgerbewegung auf der Via de la Plata. Inzwischen führt ihr Sohn die Herberge und auch die Bar nebenan. Die Herberge befindet sich in einer grossen Wohnung mit unterschiedlich grossen Zimmern und unterschiedlicher Anzahl Betten. Der Sohn von Senora Elena hat mit mir einen Dauerlauf durch die Räumlichkeiten gemacht und dabei alles erklärt und verschwand dann wieder in seiner Bar.

Bald danach tauchten Mike und Lukas auf. Sie hatten sich doch entschlossen, auch hier zu übernachten. Mike schien es wieder besser zu gehen. Die Beiden haben mir dann mitgeteilt, dass sie die superlangen Etappen, wenn immer möglich, in Zukunft halbieren möchten. Das geht praktisch nur, wenn man zum Übernachten die Via de la Plata verlässt.
Ich verstehe den Beschluss von Mike und Lukas, besonders aus Sicht von Mike, die von uns Dreien am ehesten an ihre Grenzen kommt. Mich zwingt er aber zum Umdenken. Wir hatten geplant, die morgige Tour von 38 km zusammen zu laufen.
Ich will meine Wandergeschwindigkeit nicht reduzieren, weil ich gern Ende April nach Basel zurückkehren möchte. Das geht nur, wenn ich die langen Etappen weiterhin an einem Tag laufe. Und so werde ich das auch morgen machen.
Ich habe dann erst einmal in einem Restaurant einen grossen, gemischten Salat gegessen und die Lage überdacht. Dann habe ich für die morgige Etappe Proviant eingekauft, denn es gibt unterwegs wieder keine Läden oder Cafés. Schliesslich habe ich noch die gelben Pfeile gesucht, die mich morgen aus der Stadt leiten. Alles andere lasse ich nun auf mich zukommen. Mein Zimmermitbewohner, ein Italiener (den ich heute das erste Mal gesehen habe), hat das gleiche Ziel wie ich. Er will um 5 Uhr aufbrechen.