Von Caceres nach Casar de Caceres
Wetter: Geschlossene Wolkendecke und angenehme Temperatur zum Laufen
Heute Morgen haben Mike, Lukas und ich vergeblich versucht, ein Café für ein Frühstück zu finden. Alle waren geschlossen. Und so haben wir uns dann schliesslich ohne Frühstück auf den Weg gemacht. Damit komme ich in der Regel ganz gut klar. Ich brauche unterwegs dann aber bald eine Kleinigkeit zu essen, wie z.B. eine Banane oder ein paar Kekse. Und – ganz klar – so möchte ich nicht jeden Tag die Etappe starten.
Schon beim Aufwachen türmten sich über Caceres graue Wolken, es sah nach Regen aus. Geregnet hat es dann aber nicht. In der zweiten Etappenhälfte schien sogar immer wieder die Sonne.

Der Ort Casar de Caceres mit 4’700 Einwohnern macht den Eindruck, als wenn sich die Menschen hier bemühen würden, ihren Lebensraum lebenswert zu gestalten. Es gibt Bäume entlang der Hauptstrasse mit Infotafeln zu den verschiedenen Baumarten. Es hat Bänke zum Sitzen und keinen Müll auf Strassen und Bürgersteigen.

Die Pilgerherberge im Zentrum des Ortes mit insgesamt 12 Betten ist eine eher kühle, nicht wirklich durchdachte Angelegenheit. Die Türen zu den Toiletten liegen sehr nahe bei den Kopfenden von Betten, so dass wer in denen schläft, die ganze Nacht gestört wird.
Die Registrierung für ein Bett erfolgte in der Touristeninformation nicht weit von der Herberge. Die Übernachtung kostet hier 6 Euro.
Mike, Lukas und ich sind nach Ankunft in Casar de Caceres in eine Cafébar/Restaurant-Kombination eingekehrt und konnten dort endlich den ersten Milchkaffee des Tages trinken. Ich hatte Lust auf eine Eintopfsuppe und habe die Wirtin danach gefragt. Sie hat gleich zugesagt und uns eine Linsensuppe mit Kartoffeln und Wurst gekocht. Beim Essen des leckeren Gerichts konnte ich den Start der Etappe ohne Frühstück schnell vergessen.

Gestern bin ich 71 Jahre alt geworden. Ich versuche zu akzeptieren, dass ich schon so alt bin, aber das fällt mir nicht immer leicht.
Wir wohnen in Basel direkt gegenüber von einem Altersheim, dem ‚Marienhaus’. Von meinem Platz an unserem Küchentisch schaue ich auf die Balkone von etwa 80 kleinen Wohnungen. Ins Marienhaus aufgenommen werden nur ältere Menschen, die in irgend einer Form Hilfe brauchen. Die meisten haben ein körperliches Gebrechen, aber es gibt auch eine Demenz-Gruppe in einem separaten Gebäude.
Die meisten Wohnungen des Marienhaus haben nur einen Bewohner/eine Bewohnerin. Manche sehe ich jeden Tag; ich schaue ihnen quasi beim Leben zu. Manche verbringen ihren Lebensabend im Sessel oder sogar im Bett. Andere sehe ich auf ihren Balkonen, beim Blumengiessen, Zeitunglesen oder einfach nur beim in die Welt Schauen.
Wenn jemand stirbt, wird das Bett für ein paar Tage auf dem Balkon ausgelüftet, bevor der nächste Bewohner einzieht und darin schläft. Das Sterben im Marienhaus wird so für mich sichtbar.
In meinem Lebensspätnachmittag denke ich immer wieder einmal über das Altwerden nach. Was ich auf den Marienhaus-Balkonen sehe, macht mir manchmal auch Angst. Ich fürchte mich davor:
– Nicht mehr genug Zeit zu haben, all‘ meine Träume zu verwirklichen.
– Körperliche Einschränkungen zu bekommen, die es unmöglich machen, weiter meine Träume zu leben.
– Geistige Einschränkungen zu bekommen, die mich zu einem anderen Mensch machen.
– Der raschen Entwicklung unsere Gesellschaft, besonders im technischen Bereich, nicht mehr folgen können.
Ich habe auch darüber nachgedacht, wie ich Ängste vor dem Altwerden mildern bzw. gar nicht erst entstehen lasse. Darüber werde ich bei nächster Gelegenheit berichten.
