Von Villafranca de los Barros nach Torremejia
Wetter: Weiterhin kühl, das war gut zum Laufen. Wie gestern gab es auch heute viele rasch über den Himmel segelnde Schäfchenwolken mit ständig wechselnden Formen.
Die heutige Etappe war 28 km lang und wandertechnisch keine Herausforderung. Die meiste Zeit ging es auf einer flachen Schotterpiste schnurgerade nach Norden. Links und rechts erstreckten sich Felder mit niedrigen Weinstöcken und kleinwüchsigen Olivenbäumchen bis zum Horizont. Manche Felder sahen auch wie frisch gepflügt aus und einige wenige waren schon frühlingsgrün.

Auf der gesamten Strecke gab es nichts, an dem sich die Augen lange festhalten konnten, und so könnte man diese Etappe als ‚öd‘ bezeichnen. Mein Wanderführer schreibt dazu: ‚Wer diesen Tag geschafft hat, den kann nichts mehr erschüttern.‘
Nach einem Frühstück in einer Bar in Villafranca bin ich wieder mit Mike und Lukas, dem sehr lauffreudigen, holländischen Rentnerpaar, mit dem ich die vergangenen Tage oft unterwegs war, aus der Stadt gelaufen. Schon bald gesellte sich Kim, ein dänische Pilger, der auf Ibiza lebt – ich habe über ihn schon kurz berichtet – zu uns. Interessante Gespräche in wechselnder Besetzung begleiteten unseren Weg. Langeweile habe ich deshalb auch dort in dieser Ödnis nicht empfunden.
Zurzeit sind maximal 20 Pilgerbrüder und -schwestern in der Etappe unterwegs, die ich gerade laufe. Man kennt sich inzwischen, übernachtet in der gleichen Herberge, und trifft sich beim Essen.
Auch heute sah ich manche von den Zwanzig ein Stück voraus and andere hinter uns. Mal überholten wir ein Grüppchen und plauderte eine Weile zusammen, ein anderes Mal wurden wir überholt und es kam zu interessanten Gesprächen. Hier in Torremejia gibt es nur eine Pilgerherberge, in der die meisten der 20 Gleichgesinnten übernachten, nur wenige ziehen eine Übernachtung in einem Hotel vor. Es ist gut möglich, dass ein Teil dieser 20 Pilgerbrüder und -schwestern Santiago de Compostela zur etwa gleichen Zeit erreicht. Ich werde weiter darüber berichten.