14. April 2023 – Tag 37

Von A Gudina nach Campobecerros

Wetter: Heute war es bis weit in den Nachmittag grau, kalt und nebelig. Dabei regnete es ununterbrochen mit wechselnder Stärke. Zum Glück war es nur schwach windig, so dass ich mich mit meinem Treckingschirm vor dem Regen schützen konnte.

Kurz vor dem Verlassen der neuen Pilgerherberge in A Gudina, habe ich einen Blick aus dem Fenster geworfen. Ich wollte herausfinden, ob ich gleich den Regenschutz über meinen Rucksack ziehen muss. Was ich sah, erschrak mich: Einige Bäume im Garten sahen so aus, als trügen sie Schnee. Da half auch kein Reiben der Augen. So sah das für mich aus! Ein spanischer Pilger, dem ich das zeigte, lachte nur und schüttelte mit dem Kopf. Draussen konnte ich dann sehen, dass es regnete und die nassen Äste das Licht der Strassenlaternen widerspiegelten. 

Der Weg aus dem Städtchen war gut mit gelben Pfeilen markiert. Die Sicht war aber heute miserabel. Mir war, als steckte ich in einer riesigen Wolke.

Gelegentlich brach die auf, und ich sah eine Berglandschaft, zerfurcht von den Schienen und Tunneln eines Hochgeschwindigkeitszuges. Ich sah auch viele Feuerschutzschneisen und tief unter mir Stauseen, denen ein grosser Teil des Wassers fehlte. Ich sah Hügel bis zum Horizont mit verkohlten Gerippen von Bäumen und Sträuchern. Andere Bergrücken trugen lila blühendes Heidekraut und rosa und gelb blühenden Ginster. Die meiste Zeit aber sah ich nicht als grauen, dichten Nebel.

Die vergangenen Tage einschliesslich heute haben mich körperlich sehr gefordert. Die zum Teil sehr langen Etappen und das ständige auf und ab kosten mich viel Energie. Die engere Wanderhose, die ich mir hier gekauft habe, ist schon wieder zu weit. Einen direkten Bezug zum Jakobsweg gab es während dieser Tage nicht und auch ist das, was ich unterwegs sehe, oft nicht schön. Hat diese Schinderei trotzdem einen Wert beim Pilgern auf Jakobswegen?

In Campobecerros wollte ich eigentlich nicht übernachten, sondern im nochmals 5 Wanderstunden weiter entfernten Laza. Als ich in Campobecerros ankam, war mir kalt, nass und hungrig. Erst nach Befriedigung dieser Bedürfnisse hätte ich an Weiterlaufen denken können. Zu der Zeit hatte ich aber schon beschlossen, hier zu übernachten und das war gut so.

So wie es aussieht, werde ich der einzige Gast in der Herberge sein. Wo die anderen Pilger sind, mit denen ich noch vor ein paar Tagen unterwegs war? Ich weiss es nicht. Zwei Spanier habe ich heute getroffen, jeden für sich, keinen kannte ich: Die folgten ihren GPS-Geräten (Augen auf den Monitor, die Füsse folgen!). Nein, das will ich nicht.

Ich hatte gestern schon erwähnt, dass die autonome Region Galicien viel für den Pilgertourismus tut. Einer dieser nicht zu übersehenden Dinge sind Steinquader, die in regelmässigen Abständen anzeigen, dass man sich noch auf einem Jakobsweg befindet und in welche Richtung er führt. Zusätzlich befindet sich auf diesen Steinquadern in einem markiertem Feld eine Zahl. Die gibt an, wie weit man noch bis Santiago de Compostela laufen muss. Von meinem Standort hier in Campobecerros sind es weniger als 180 km! Bei einer Etappenlänge von 25 km brauche ich noch 7 Tage (plus 4 Tage nach Murxia und dem Kap Finisterre). Was sagt ihr dazu? Das schaffe ich, mit offenen Augen und ohne GPS. (Was ich zur Sicherheit aber auch auf meinem iPad installiert habe, aber selten benutze.)

In der Herberge von Campobecerros fand ich, angepinnt an ein kleines, schwarzes Brett, diesen Sinnspruch. Ja, an dem ist was dran! Ein Leben ohne Träume kann ich mir für mich nicht vorstellen

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